Mit Teamwork zu Bestform

Auf neuen Wegen mit Verpackungsveredelung in die Zukunft!

Von Beratern empfohlen, allseits offiziell akzeptiert und doch zu selten wirklich praktiziert: Frühzeitiges Einsetzen von externem Know-How, vertrauensvolle Kooperation und offener Ideenaustausch ohne Einschränkungen – und das vom Start des Projektes bis zur Umsetzung.

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Gissler & Pass ist ein renommiertes Unternehmen der Verpackungsindustrie: Wellpappe, Verpackungen, Displays und Co-Packing gehören zu den Kernkompetenzen, umfassend genutzt von internationalen Markenartiklern und bekannten Handelsunternehmen. Eine gut aufgestellte Produktion mit technischen Einrichtungen auf höchstem Niveau – und doch ist ein zunehmend wichtiger werdender Bereich noch ausbaufähig: hochveredelte Verpackungen.

Hier sind die Edelmarken zu Haus, deren hochpreisige Produkte in einer angemessenen Umgebung, sprich einer werthaltigen Verpackung, präsentiert werden müssen, um sich im Wettbewerb durchsetzen zu können. Ein Markt, in dem die Verpackung oft genauso viel zum Absatz beiträgt wie das Produkt selbst und wohl manchmal sogar auch mehr.

Detail_2 kleinSpezialisiert auf hochwertige Flexodruck- und Offsetproduktion verfügte Gissler & Pass in haus nicht über die technischen Einrichtungen für Veredelungen wie z.B. Heiß- und Kaltfolienprägungen. Als konsequenten Schritt im gelebten Qualitätsanspruch und im Bewusstsein, nicht alles alleine machen zu müssen, zog das Management von Gissler & Pass externe Partner hinzu. In „Die Druckveredelung Köch & Glasder“ fand G & P den geeigneten Partner für die zukünftige Zusammenarbeit in diesem Segment.

Nun galt es, den Kunden zu zeigen, was man auf diesem Gebiet zukünftig erwarten darf. Das sollte in Form einer Demonstrationsverpackung visualisiert werden. Mit dieser Aufgabe beauftragte G & P die Design-Agentur HS Design aus Trier, einen langjährigen Partner des Hauses und versiert in allen Bereichen der Veredelungstechniken.

Um möglichst gute Ergebnisse zu erzielen, entschied man sich für ein „offenes Briefing bei größtmöglicher Kooperation“. Schon bei der ersten Besprechung kamen alle relevanten Ansprechpartner zusammen: die G & P Geschäftsleitung sowie deren Marketing- und Druckereileitung, der Veredler und die Agentur. Es wurden keine einschränkenden Vorgaben gemacht, sondern man begab sich gemeinsam auf die Suche nach fachkundigen Antworten auf die Fragen: Was könnte, was sollte man in der Verpackungsveredelung tun, wenn man wirklich freie Hand hätte? Was ist notwendig, um im Wettbewerbsumfeld positiv aufzufallen. Wie kann man den Anspruch als Innovator dokumentieren? Welche Verfahren können eingesetzt werden, in welchen Kombinationen? Welche Verpackungsform ist die geeignete, um darauf aufzubauen?

Das Team war sich schnell einig, dass bzgl. der technischen Umsetzungen keinerlei Einschränkungen gelten dürfen, geht es doch um die Demonstration eines Verpackungsherstellers. Grob wurden schon die möglichen Produktionsabläufe skizziert, als Grundform sollte eine Flaschen-Einzelverpackung dienen, denkbar z. B. für Champagner oder hochwertige Spirituosen. Im Anschluss an das 3-Firmen-Gespräch folgte noch ein Besuch der Agentur bei Köch & Glasder, um die Möglichkeiten weiter im Detail auszuloten.

Detail_1 kleinNach diesem ersten Gespräch entwickelte HS Design zwei alternative Konzepte, von denen hier nur das vorgestellt wird, das alle spontan überzeugte. Im zweiten, entscheidenden Meeting wurde ein Design präsentiert, das visuell keine Branche singulär anspricht, sondern allen Anwendungsbereichen Assoziationen bietet: für hochwertigen Champagner genauso wie für teure Geschenke, anspruchsvolle Kosmetika, kostbare Uhren und vieles andere mehr. Mit vielfältigen Grafiken und Applikationen wurden bei der Lösung die Erlebniswelten verschiedener Anwenderkreise angedeutet: schmuckvolle Stilisierungen, das Räderwerk einer Uhr, Getränke, Süßwaren – und eine Demonstration einer großen Vielzahl von Veredelungsmöglichkeiten. Darüber hinaus sollte es auch möglich werden, spielerisch verschiedene Konstellationen neu zusammenzustellen und so die Kunden mit Funktion, Umsetzung und Haptik vertraut zu machen – die Idee des „Zauberwürfels“ stand im Raum. Denn wer sich über das bloße Betrachten und Fühlen mit einem Objekt beschäftigen kann, wird die Faszination des Neuen stärker erfahren, es umso mehr verinnerlichen. Außerdem sollte mit diesem neuen Verpackungskonzept zusätzlich auch überrascht, Kompetenz und Kreativität über das optische hinaus demonstriert werden. Das wäre nach Meinung von HS Design mit einer Standardverpackung so nicht möglich gewesen, denn manchmal „ist mehr tatsächlich auch mehr“.

Gesamtansicht_1 kleinAllerdings bedingte dieses Konzept eine völlig neue Konstruktion mit diversen Anforderungen: hohe Stabilität, leicht funktionierendes Öffnen und Wiederverschließen, Verdrehen von Ober- und Unterteil gegeneinander bei gleichzeitig immer kantengenauem Aufeinandertreffen der Seiten. Und alles natürlich sortenrein für optimales Recycling, also ohne Einsatz von Fremdmaterialien. Es war klar, dass diese Anforderungen die Verpackungs-Ingenieure von Gissler & Pass an die Grenze der Möglichkeiten führen würden. Aber die firmenintern gelebte Maxime „geht nicht gibt’s nicht“ und das aufmunternde „Ihr schafft das schon!“ seitens der Agentur beflügelten die Ingenieure umso mehr.

Gesamtansicht_2 kleinDie konkrete Lösung übertraf alle Erwartungen: Eine dreiteilige Verpackung mit separatem Oberteil und Unterteil, die so variabel kombiniert werden kann, dass sich die gewünschte Vielzahl der Gestaltungsmöglichkeiten bietet und sich die Verpackung in 2 verschiedenen Stellungen wieder verschließen lässt; technisch sind auch alle 4 möglich, aber darauf wurde aus optischen Gründen verzichtet.

Darüber hinaus wurde noch ein weiterer und für G & P wesentlicher Aspekt umgesetzt. Anfängliche Überlegungen, evtl. den Einsatz von Vollpappe anzubieten, wurden ad acta gelegt und man blieb bei der Kernkompetenz Wellpappe. Denn der ausgewählte, auf die Wellpappe zu kaschierende Druckbogen weist gegenüber der Vollpappe wesentliche Vorteile im Veredelungsprozess auf wie z.B. eine höhere und feinere Reliefprägung.

Detail_3 kleinNachdem die technische Lösung machbar war, wurden in den folgenden Arbeitsschritten mit der G & P Druckerei, Köch & Glasder, der Druckvorstufe und dem Hersteller der Prägewerkzeuge im Detail die einzelnen Techniken wie Hochprägung, Tiefprägung, Kaltfolientransfer, Schmuck- und Skalenfarben, verschiedene Lackierungen, Heißprägung inkl. Einsatz verschiedener Folien und Micro-Embossing als 1. Stufe möglicher Sicherheitsmerkmale bzgl. ihrer Größen und Ausformung besprochen. Die Agentur hat darauf hin einen genauen Fahrplan für die Produktionsreihenfolge erarbeitet.

Mit der fertigen Lösung steht nach Meinung aller Beteiligten ein höchst effektiver Akquisitionshebel zur Verfügung, der sowohl bei Produktmanagern und Marketingexperten als auch bei Einkäufern zweifelsfrei die hohe Kompetenz auch in diesem für G & P (noch) neuen Geschäftsfeld unter Beweis stellt. Eine Lösung, auf die alle Beteiligten stolz sind und die nicht hätte entstehen können, wenn nicht alle von Anfang an mit sehr viel Offenheit im Hinblick auf das Ergebnis, mit viel Spaß und Experimentierfreude und in enger Kooperation an die Sache heran gegangen wären.

Titel creativ verpacken-klein

 

 

 

 

 

 

creativ verpacken 6/2010, S. 12 ff.

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