Hilferuf nach Azubis

Die Papierindustrie ist im Bereich der Vereinigten Industrieverbände (VIV) Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung der unumstrittene Krösus. 1,646 Millionen Euro setzten die überwiegend mittelständischen Unternehmen im vergangenen Jahr um. Eine zukunftsträchtige Branche schwärmt Thomas Gissler-Weber, und eine mit einer großen Sorge: Es ist schwierig, qualifizierten Nachwuchs zu bekommen.

Diese Sorge war das zentrale Thema beim Besuch des Kölner Regierungs-präsidenten Jürgen Roters im Jülicher Wellpappenunternehmen Gissler & Pass. Und sie wurde nachdrücklich geteilt von den Vertretern der Unternehmen Carl Eichhorn GmbH, Kirchberg, und SIG Combibloc, Linnich.

Erfolgs- und Alarmmeldungen gingen Hand in Hand. Die vor drei Jahren auf Betreiben der Unternehmen Gissler & Pass, Carl Eichhorn und SIG Combibloc im Jülicher Berufskolleg eingerichtete Ausbildung für Verpackungsmittelmechaniker „hat ihre Feuerprobe bestanden“, so Schulleiter Wolfhard Horn. Die Einrichtung der Klasse in Jülich wurde seinerzeit stark von Roters unterstützt. Gerade wurde der erste Jahrgang abgeschlossen und mit besten Perspektiven ins Berufsleben verabschiedet. Die 14 Verpackungsentwickler zählen zu begehrten Arbeitskräften.

„Unsere damaligen Zusagen wurden auf Punkt und Komma eingehalten“, verkündet Horn stolz. Stabile Zahlen, eine hohe Ausbildungsqualität und eine geradezu vorbildliche Kooperation von Schule und Wirtschaft untermauern die Richtigkeit der Entscheidung, Fachpersonal dort auszubilden, wo es gebraucht wird.

„Die Probleme der Zulieferschulen können wir nicht lösen“, griff auch Horn die von den Unternehmen beklagten Bildungsdefizite vieler Schulabgänger auf. Aber gemeinsam mit den Unternehmen wurde ein Selbsthilfepaket geschnürt, das Dr. Elke Tüttenberg-Winter von den Vereinigten Industrieverbänden und Kurt Kelzenberg, Personalchef von Gissler & Pass, vorstellten. Dazu gehören Kooperationen mit Schulen, in denen Arbeitsgemeinschaften für berufsbezogene Mathematik eingerichtet wurden ebenso wie Technik-AGs oder Lehrerfortbildung in den Unternehmen.

Flankiert werden diese Maßnahmen von offensiver Werbung. Kurt Kelzenberg: „Wir gehen in die Schulen und kämpfen gegen überholte Vorstellungen.“ Mit dröhnenden Maschinen, Blaumann und Besen habe der Berufsalltag des Verpackungsmittelmechanikers nichts mehr gemein. Imagewerbung und die Suche nach einer griffigeren, weniger „abschreckenden“ Bezeichnung eines attraktiven Berufs mit großen Weiterbildungsmöglichkeiten bis zum Ingenieurstudium schrieben sich die Unternehmen als Nahziele auf die Fahnen. Jürgen Roters sagte seine Hilfe gerne zu und unterstrich mit Blick auf die beklagte mangelnde Qualifikation der Schulabgänger: „Wir müssen alles daran setzten, diese Defizite zu beheben.“ Versäumnisse im Schulwesen können nicht in kurzer Zeit aufgearbeitet werden, allerdings hat er den Eindruck, „es ändert sich was – gerade in den Basisfächern.“

Roters sagte zu, umgehend eine Gesprächsrunde an einen Tisch zu bringen, um sich über die Anforderungen und die flankierenden Maßnahmen von Schulwesen und Landesregierung auszutauschen.

 

Regierungspräsident Jürgen Roters will seinen Beitrag zur Imageaufwertung des Verpackungsmittelmechanikers beitragen. Die Vertreter der Papierindustrie wollen dieses mit aller Kraft begleiten.

v.l.: Guido Schneiders, Gissler & Pass, Regierungspräsident Jürgen Roters,
Thomas Gissler-Weber, Gissler & Pass

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