Gissler & Pass – 124 Jahre High-Tech mit Tradition

Ein innovatives Familienunternehmen in der vierten Generation

Am Hauptsitz von Gissler & Pass fährt jeder Autofahrer vorbei, der von der Jülicher Innenstadt nach Düren fährt. Auch die Fahrgäste der Rurtalbahn sehen das große Firmengelände, das gleich hinter dem Jülicher Bahnhof liegt. Die Lkw mit weißer Plane und grün-roter Schrift gehören seit jeher zum Straßenbild der Region und über die Landesgrenzen hinweg. Bei Gissler & Pass sind rund 470 Mitarbeiter beschäftigt und arbeiten häufig bereits in der zweiten oder dritten Generation bei dem Hersteller von Wellpappe, Verpackungen und Displays. „Wir sind nicht nur ein Unternehmen unserer Familie. Sondern unser Unternehmen ist eine Familie“, sagt Geschäftsführer Thomas Gissler-Weber.

Der 43-jährige Diplom-Kaufmann führt das Unternehmen jetzt in der vierten Generation. Es war sein Urgroßvater Hermann Gissler, der gemeinsam mit seinem Cousin Carl Wilhelm Pass eine neue Technologie in der Papierveredelung zum Anlass der Firmengründung nahm. Das war 1882. Damals hatte der Apotheker Albert Jones gerade die Wellpappe erfunden. Großvater Walther Gissler erkannte das Zukunftspotenzial des Werkstoffs und kaufte 1924 den Jülicher Wellpappenbetrieb der Engländer Thompson und Norris. Auf dem europäischen Festland wurde Gissler & Pass zum Pionier der Wellpappenherstellung.

Den Großvater hat Thomas Gissler-Weber nicht mehr kennen gelernt. Aber sein Vater, Dr. Richard Gissler-Weber, berichtete ihm bereits als Kind von den goldenen Zeiten des Aufbaus, die durch die völlige Zerstörung im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges zunichte gemacht wurden. Der Großvater fand Mut und Kraft zum Wiederaufbau – und er tat das vor allem für die Mitarbeiter. Walther Gissler verkaufte Grundstücke, um Getreide für seine Beschäftigten zu kaufen. Sie dankten es mit ihrer Arbeitskraft und halfen, die Fabrik Stein für Stein wieder aufzubauen. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl und die Verantwortung füreinander hat bis heute gehalten.

Thomas Gissler-Weber hat sich intensiv mit den Besonderheiten von Familienunternehmen beschäftigt. Unter anderem verweist er auf eine Studie der Uni Witten-Herdecke, die die Eigenschaften von Mehr-Generationen-Familienunternehmen untersucht hat. Die Untersuchung bestätigt, dass bei Familienunternehmen statt der Gewinnmaximierung der langfristige Erhalt des Unternehmens im Vordergrund steht, ganz im Gegenteil zu börsennotierten Unternehmen. Der Zusammenfall von Eigentum und Firmenleitung erzwingt ein umsichtiges, langfristig ausgerichtetes Handeln des Unternehmers. Riskiert er das von Vorfahren erarbeitete Unternehmen durch Leichtfertigkeit, verliert er nicht nur seine Stelle, sondern auch sein ganzes Vermögen.

Das Vertrauen ist stark

Familienunternehmer sind in ihrer Wirtschaftsethik oftmals davon geprägt, dass sie am Standort ihrer Unternehmen leben und zuhause sind. Von daher wird die Entscheidung über eine Verlagerung in Billiglohnländer nicht unbedacht und ohne Berücksichtigung der Auswirkungen am Heimatstandort getroffen.  „Wir wohnen und leben am Standort, wir sind eingebunden in ein soziales Umfeld.“ Gerade in schweren Zeiten zeigt sich daher oftmals die Stärke von Familienunternehmen, die sie aus dem Zusammengehörigkeitsgefühl und dem gegenseitigen Vertrauen von Unternehmern und ihren Mitarbeitern schöpfen.

Ein weiterer Vorteil von Familienunternehmen gegenüber großen Konzernen liegt in der Tatsache, dass sie Strategie- oder Investitionsentscheidungen schnell und kurzfristig treffen können. „Wir können uns auf die individuellen Kundenwünsche einstellen, ohne für unsere Entscheidungen ein Headquarter in Stockholm, Dublin oder Tokio fragen zu müssen“. Der Firmenerfolg hat daher auch etwas mit Unabhängigkeit zu tun. Die Bilanz bei Gissler & Pass: In zwölf Jahren wurde der Umsatz auf rund 80 Millionen Euro verdoppelt, 100 Mitarbeiter wurden zusätzlich eingestellt. Und zu den Stammkunden gehören renommierte Unternehmen wie Lindt & Sprüngli, Coca-Cola, Procter & Gamble oder Henkel.

Die Innovationskraft der Unternehmen entspringt insbesondere aus der offenen Kommunikation und dem fruchtbaren Miteinander von Erfahrung und Kreativität. So steht Gissler & Pass seit fast 125 Jahren für Innovation und neue Produkte, ein Beispiel hierfür ist die Einführung der ersten Flexodirektdruck-Maschine für Wellpappe im Großformat.

Gissler & Pass hat den Trend der Internationalisierung frühzeitig erkannt und sich mit seinen vier Werken bereits 1997 zur Alliabox zusammengeschlossen, einer Allianz aus neun Unternehmen in Familienbesitz, die zusammen 50 Wellpappenfabriken betreiben und teilweise eine Firmengeschichte von bis zu 150 Jahren aufweisen. Die Idee der gemeinschaftlichen Marktbearbeitung war seinerzeit eine Neuheit in Europa und hat sich bis heute bewährt.

Die hohen Ansprüche, die Gissler & Pass an sich stellt, fordert das Unternehmen auch von seinen  Lieferanten. So ist es wenig verwunderlich, dass ein Großteil der Rohstoffe bei deutschen Familienunternehmen eingekauft werden, zählen diese doch international zu den leistungsstärksten Anbietern.

Mit Zuversicht blickt Thomas Gissler-Weber in die Zukunft und setzt auf eine Strategie der Nachhaltigkeit, modernste Technologie sowie insbesondere auf DIE Stärke des Unternehmens – hoch motivierte und qualifizierte Mitarbeiter. Und er setzt auf die fünfte Generation, die bereits Interesse am Unternehmen zeigt. Gefragt nach einem Rat für junge Unternehmer sagt er: „Es gibt nichts Schöneres, als die Selbständigkeit und Freiheit, allen Plänen und schöpferischen Gedanken eine Form verleihen zu können. Das kann aber niemand alleine schaffen, sondern nur wenn es gelingt, mit der gesamten Mannschaft an einem Strang zu ziehen.“

Gissler-Weber_Internet
Thomas Gissler-Weber neben dem Portrait des Unternehmensgründers Hermann Gissler.

 

Titel IHK Zeitschrift_Internet
Wirtschaftliche Nachrichten,
IHK Aachen
Ausgabe März 2006
Titelthema: Familienunternehmen

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