Dr. Richard Gissler-Weber erhält Ehrenring der Stadt Jülich

Ein Bayer im Rheinland – vergleichbare Titel sind im Fernsehen serienreif. Dr. Richard Gissler-Weber ist gebürtiger Münchner, den es nach Jülich verschlug. Er hat eine fast filmreife Lebensgeschichte hinter sich. Und weil der promovierte Philosoph auf seinem Weg höchst erfolgreich, verantwortungsbewusst und bodenständig agierte, dankt ihm seine zweite Heimat Jülich mit einem Schmuckstück. Der 80-jährige wurde in einer Festsitzung in der Schlosskapelle mit dem Ehrenring der Stadt ausgezeichnet.


Ehrenring_Internet
Richard Gissler-Weber hat die 126-jährige Geschichte des Jülicher Papierveredlers Gissler & Pass fast ein halbes Jahrhundert geprägt. Bürgermeister Heinrich Stommel attestierte dem neuen Ringträger in seiner Laudatio das heute so oft vermisste menschliche Antlitz an der Firmenspitze: „In Zeiten von Shareholder Value und der größten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten sind Unternehmer Ihres Schlages ein Segen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genauso wir für die Stadt und ihre Bürger.“

Dass Derartiges einmal über ihn gesagt werden würde, hätte Gissler-Weber Mitte der 50er Jahre nach Studium und Promotion sicher in das Reich der Phantasie verwiesen. Als Angehöriger des Münchner Zweiges der Familie wurde er praktisch von dem Bruder seiner Großtante aus Jülich, dem Firmenchef Walther Gissler, aufgespürt und als potenzieller Firmenerbe auserkoren. Das Ehepaar Hertha und Walther Gissler war kinderlos geblieben und adoptierte Dr. Richard Gissler.

Der niemals verlorene, aber gefundene Adoptivsohn wagte den Sprung ins kalte Wasser. Sechs Jahre lernte er im Betrieb, ehe der Adoptivvater starb und der gebürtige Bajuwar die Zügel in die Hand nahm. Unter seiner Führung wuchs Gissler & Pass und wurde fit gemacht für die Zukunft. Heute beschäftigt das Unternehmen 478 Menschen, davon 80% in Jülich. Bei G&P sind viele Familien seit Generationen in Brot und Arbeit.

Daneben ist auch die Liste der Engagements neben dem Hauptberuf stattlich: 20 Jahre ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht Aachen, über Jahrzehnte führender Kopf in den Industrieverbänden sowie in der NRW-Papierindustrie. Zu Hause war der Rheinländer auch im gesellschaftlichen Leben der Stadt. Eine besondere Beziehung pflegte er zur Historischen Gesellschaft Lazarus Stromanus, über die er ein Buch schrieb, und zum Selgersdorfer „Ulk“ sowie zum Reit- und Fahrverein Jan von Werth.

Bevor sich eine große Schar an Gratulanten nach der Verleihung des Ehrenrings den Weg zu Dr. Richard Gissler-Weber bahnte, gab der Geehrte ein Kompliment zurück: „Ich war hier immer sehr glücklich.“ In der Feierstunde vergaß er den Adoptivvater und dessen Lebenswerk nicht: „Ich hoffe, wenn er sehen könnte, was wir daraus gemacht haben, wäre er einverstanden und zufrieden.“

Die Tradition kann jedenfalls fortbestehen. Der neue Erhenringträger hat die Firmenleitung an die nächste Familiengeneration übertragen.

(Quelle: Jülicher Zeitung, 26.06.2009)

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