Neues Stehpult ist nicht von Pappe

Beitrag aus der Jülicher Zeitung vom  1. Oktober 2005

Der Zahn der Zeit nagt im so genannten „Neuen Rathaus“ an vielen Stellen. Das Rednerpult, an dem etliche Haushaltsentwürfe eingebracht und Reden geschwungen wurden, hat unter dieser Last der Zeit auch seine besten Zeiten hinter sich – und nun einen würdigen Nachfolger.
Die Firma Gissler & Pass spendierte Verwaltung und Stadtrat ein neues – und das ist von Pappe und sehr stabil.

Auf der Jagd

Stellvertretender Bürgermeister Martin Marquardt war schon länger auf der Jagd nach einem passenden Ersatz für das olle Teil im Sitzungssaal. Bei einer Veranstaltung sprach er einen führenden Mitarbeiter von Gissler & Pass einfach an: Kurt Kelzenberg, Personalchef bei Gissler & Pass. Ob es denn wohl was zu „erben“ gebe? Die Firma hatte aber eine noch viel bessere Idee: ein extra gefertigtes Pult aus Wellpappe!

Logo oder Wappen

Gesagt, getan. Nun wurde die neue Errungenschaft würdig und recht zu Beginn der Ratssitzung am Donnerstagabend, 27. Oktober, von Thomas Gissler-Weber und Kurt Kelzenberg an Bürgermeister Heinrich Stommel übergeben. Je nach Bedarf zieren Stadtlogo oder -wappen das Möbelstück. Reichlich Beifall gab es seitens der leitenden Verwaltungsbeamten und der Mandatsträger für diese Schenkung.

Die Kolumne von Julius …

Stablilität ist eine Frage des Materials und der Verarbeitung – und/oder der inneren und äußeren Haltung. So werden manche Autokarosserien mittlerweile zu einem großen Teil aus Plastik gefertigt. Da fliegt beim Crash nicht mehr das Blech weg, sondern ein aus Öl gefertigtes Produkt.
In früheren Jahren wurden die Rostlöcher im Uralt-Käfer mit Kunststoffmatten und Harzkleber geflickt. Da ist man heute offenbar technologisch schon ein großes Stück weiter.
Dazu gehört zweifelsohne auch die Firma Gissler & Pass mit ihren innovativen Produkten. Nun hat der Betrieb der Stadt Jülich ein schmuckes Rednerpult geschenkt. Der Spruch „Das ist nicht von Pappe“ gilt heute nicht mehr. Folgte man der Volksweisheit, so ist dieses Material nicht das stabilste. Quatsch!
Für das, was viele Redner zu sagen haben, reicht Pappe allemal. Viele Sprücheklopfer erweisen sich zudem als Papiertiger. Hauptsache nur, eine flammende Rede setzt das Teil nicht in Brand.
Das die Jülicher Firma in der Aktion eine gute Chance erkannt hat, seine Leistungsfähigkeit publikumswirksam unter Beweis zu stellen, ist vollkommen legitim – und zudem eine nette Geste. Die Liste weiterer Projekte für Sponsoren zugunsten der Stadt Jülich ist lang. Da ist zum Beispiel die marode Beschallung im Ratssaal vorrangiger Kandidat. Es gibt ja mobile Karaoke-Anlagen bereits für wenig Geld in Supermärkten …

Foto Rednerpult_internet

v.l.: Martin Marquardt, stellvertretender Bürgermeister; Heinrich Stommel, Bürgermeister; Thomas Gissler-Weber, Geschäftsführer Gissler & Pass GmbH und Kurt Kelzenberg, Personalchef bei Gissler & Pass
(Foto: Karl Stüber)

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